Nicht nur der Körper verändert sich! Auch die Psyche...

Heisshunger, Lust nach Schoggi, etc. Was kannst Du dagegen tun?

Moderator: zulukriegerin

Nicht nur der Körper verändert sich! Auch die Psyche...

Beitragvon Erdbaer » Do 17. Jun 2010, 20:49

Liebe MB-ler/innen!

Ich war nun längere Zeit nicht hier und das hängt damit zusammen, dass ich mit mir selbst sehr viel zu tun hatte. Nun möchte ich gern einmal berichten und bin sehr gespannt, ob es jemandem ähnlich geht wie mir!

Möchte mich möglichst kurz fassen:

Seitdem ich 17 bin, ging mein Gewicht schnurstracks nach oben. Heute glaube ich, dass das mit der Einnahme der Pille zu tun hatte, da es mir in all den Jahren nie geglückt ist, abzunehmen. Erst, nachdem ich die Pille abgesetzt habe und mit MB hat es endlich geklappt. Ich bin nur 1,56 mtr. klein und habe immer ca. 110 kg gewogen. Damit hatte ich dann Klamottengröße 48 (Oberteile) und meine größten Hosen hatten Größe 50/52 - hab halt einen ziemlich großen Hintern ;) Und so wie ich war, kannten mich ALLE, Freunde, Familie, Kollegen, ich mich selbst. Niemand hat mich jemals angegriffen. Ich strotzte in all den Jahren vor Selbstbewusstsein, hatte Humor und "nichts konnte mich umhauen". Der Fels in der Brandung sozusagen.

Nun habe ich also in den letzten 9 Monaten 15 kg abgenommen. Wiege nun rund 89 kg, trage obenrum Größe 44 und Hosen Größe 46 - JUHUUUUUU!!!!!! Kann jemand verstehen, was das schon für ein rieeeeesiger Fortschritt ist?!?!?!
Allerdings bin ich in den letzten Monaten psychisch ziemlich angeschlagen und glaube, dass das mit der Abnahme zu tun hat. Ich habe mit meinen 15 kg auch eine Menge an Selbstbewusstsein verloren - eigentlich unlogisch, oder? Ich müsste doch stolz wie Oskar durch die Welt gehen.

Heute ist es so, dass ich auf das Abnehmen, meine Figur, Sport, Ernährung etc. angesprochen werde und mich sofort total angegriffen fühle. Wenn ich mittags im Büro esse, dann kommen Kommentare wie "ja, darfst du das denn jetzt essen?" - das ist vielleicht gar nicht böse gemeint - und ich bin sofort völlig angezickt. Mein Mann sagt, ich sei überhaupt nicht mehr so locker wie vorher. Und ich selbst weiss, dass ich nicht mehr soviel lache, viel viel mehr grüble und mit ganz vielen Dingen unzufrieden bin.
Oft fehlt es mir an Konsequenz, was den MB-Plan betrifft und dann mach ich mich total verrückt. Wenn ich seit 3 Wochen nicht im Fitness-Studio war, dann hab ich ein dermaßen schlechtes Gewissen! Dabei gehe ich zwischendurch immernoch mal joggen und aufs Trampolin - Bewegung war für mich doch sonst ein absolutes Fremdwort.
Vor meiner Abnahme konnten meine Klamotten gar nicht auffällig und bunt genug sein - heute fühle ich mich darin nicht mehr wohl und kleide mich langsam immer unauffälliger... (manche finden meine Outfits wahrscheinlich immer noch gewagt, aber es ist auf alle Fälle ein deutlicher Wandel zu sehen).

Hinzu kommt sicher, dass ich auch vor 9 Monaten meinen Job gewechselt habe und große Startschwierigkeiten in dem Kollegenkreis (fast nur Frauen) hatte..... Das hat mich nur noch weiter "heruntergedrückt".

Ich bin mir all dessen jedenfalls bewusst und versuche seit Wochen, wenn nicht gar Monaten, an mir zu arbeiten... Ist nicht einfach!

Würde mich sehr freuen, auch Eure Erfahrungen zu hören, wenn Ihr mögt, auch als Private Nachrichten.

Ganz liebe Grüße!

Erdbär
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Re: Nicht nur der Körper verändert sich! Auch die Psyche...

Beitragvon xbabs » Fr 18. Jun 2010, 08:28

Hallo, Erbear!
Ich weiß genau was du meinst. Auch ich bin jemand, den man eigentlich nur als Pummel kennt. Ich hatte so mit Anfang 20 mal viel abgenommen (wog ca. 63 kilo) aber das hat nie lange gehalten. Die letzten 20 Jahre wog ich dann immer so 80 - 85, bis dann das Gewicht auf fast 100 hochschoss.
Ich war nie soo selbstbewusst, aber ich war eben wie ich war.
Als ich nun abgenommen habe und zwar richtig viel, haben die Leute mich erst nicht so ernstgenommen. Doch plötzlich sah ich dann ganz anders aus. Ich kleidete mich völlig anders, figurbetonter. Mein Gesicht war deutlich schmaler. Sprich, ich veränderte mich sehr.
Und die anfänglichen Sprüche wurden kritischer: "Warst du krank oder wolltest du abnehmen?" - "als du dick warst, warst du viel besser drauf" - "wann isst du mal wieder richtig?" - "Jetzt ist aber gut mit abnehmen, oder?" - "Du siehst viel älter und faltiger aus."
Kannst du dir vorstellen, wie mich das verunsichert hat? Außerdem hatte ich das Gefühl, jeder wollte mich füttern. Und das Leute, die immer schlanker waren als ich und bei denen ich eben immer die "Dicke" war.
Ich denke heute, daß man selbst auch mit dem veränderten ich fertigwerden muss. Die Leute definieren einen eben auch über das Äußere. Und sie bekommen wahrscheinlich Angst oder fühlen sich selber unzulänglich, wenn man sich so stark verändert.
Für dich ist es auch eine Umstellung. Und ich kann nachvollziehen, daß du zunächst einmal Angst davor hast. Glaub mir - das verändert sich! Und du wirst wieder mit Stolz bunte und schöne Kleidung tragen.
Was mich aber extrem irritiert sind wirklich die Bemerkungen der Anderen. Wieso muss man sich eigentlich "rechtfertigen"? Ich wette, dieselben Leute haben jahrelang über einen hergezogen, wenn man ein zweites Stück Kuchen gegessen hat.
Selbst haben sie es auch getan, aber sie waren ja nicht fett. Ich weiß wie es ist, wenn man jahrelang wegen seinem Übergewicht verurteilt wird.
Wir können die Gewichtsabnahme und Veränderung als einen Sieg sehen. Und auch als Mut zur Veränderung. Und wir dürfen uns durch das Umfeld nicht verunsichern lassen. Ich habe inzwischen wieder etwas zugenommen, aber ich möchte nie wieder so viel wiegen.
Ich wünsch dir weiterhin viel Glück bei deiner Abnahme!
Grüßle Babs
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Re: Nicht nur der Körper verändert sich! Auch die Psyche...

Beitragvon Erdbaer » Fr 18. Jun 2010, 09:10

Hi Babs!
Vielen Dank für deine Worte - Genau das ist es! Die Sprüche der Anderen (nicht alle, aber viele) und, ich bin leider sehr empfänglich dafür. Dabei war ich jahrelang so drauf, dass es mir scheissegal war, was Andere denken und sagen. Aber jetzt ist mir das nicht mehr egal. Ich nehme das alles sehr persönlich und fühle mich angegriffen.
Ein Lob bekommt man nicht allzu oft, mehr Kritik. Meine Mama z.B. ist 50, war immer sehr schlank, ernährt sich allerdings auch von Kaffee, Zigaretten und Alkohol. Für uns Kinder standen früher Kalorienbomben auf dem Speiseplan und die Eltern fragten sich, wie die Kleine denn auf einmal immer dicker werden konnte.... ohne Worte.
Naja, jedenfalls sagt meine Mama heute: "Übertreibs mal nicht" - HALLOOOO????? Ich hab quasi erst angefangen, bin immer noch sehr übergewichtig und werde gleich hingestellt, als ob ich viel zu ehrgeizig wäre...
Vielleicht ist es auch ein bisschen Neid - ich weiß es nicht. Oder sie glauben, dass der Jojo-Effekt eh vorprogrammiert ist.

Jedenfalls wäre es schöner, von den Menschen, die einen umgeben, eben Aufmunterung und liebe Worte zu bekommen....

Euch allen einen schönen Tag - bei mir ist Freitags eigentlich Schummeltag, aber ich trau mich heut nicht so recht :(
Die Waage war bös...

Liebe Grüße,

Erdbär
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Re: Nicht nur der Körper verändert sich! Auch die Psyche...

Beitragvon Ibak » Di 22. Jun 2010, 15:31

Hallo Erdbär,

deine Zeilen haben mich sehr bewegt – wahrscheinlich, weil ich so viele dieser Dinge kenne.

Ich hatte ungefähr dein Ausgangsgewicht / BMI – viele Jahre und war todunglücklich.
(nein - genau genommen lag ich um einiges darüber)
Kunterbunt gekleidet war ich damals auch – aber eher aus dem Grund – dass es damals in großen Größen nur bunte, auffallende Kleidung gab.

Das ständig mein Essen von meinem Umfeld kontrollier wurde – das kenn ich nur zu gut.
Als ich dann endlich normalgewichtig war, hörten die ewigen Kommentare über mein Essen, was ich esse und wie viel ich esse – langsam auf.
In meinem Kopf laufen solche „Ansprachen“ jedoch heute noch ab - ich esse immer noch nicht gerne mit anderen zusammen.
Auch hab ich heute noch Angst zum Arzt zu gehen, weil ich es so viele Jahre lang erlebt habe, dass egal was ich hatte der Arzt immer gesagt hat – daran ist alleine das Übergewicht schuld (Wirklich z. T. absolut lachhafte Dinge – Grippe geht rum, jeder hat sie – aber ich hatte sie angeblich nur bekommen, weil ich übergewichtig war).

Als es sichtbar war, dass ich abgenommen habe (wenn auch noch nicht am Ziel) – hat sich der Kontrolldruck meines Umfeldes sogar noch verstärkt.
Als ich dann normalgewichtig war – gab es so einige, die versucht haben, mir so einige der Kilos wieder hinzufüttern – so nach dem Motto: iss nur – schmeckt gut – jetzt darfst du ja – du hast ja soviel abgenommen.
(Zuviele denken immer: Dicke müssen immer und ununterbrochen ganz viel essen um dick zu sein.... )
Warum auch immer die das machen – egal ob aus Dummheit oder Neid oder Häme – ich weiß es nicht und es ist auch gar nicht wichtig, den Grund zu wissen.

Warum es dir jedoch schlechter geht als vor 15 Kilo – das ist schwer zu sagen.

Hast du deinen Körper, als du noch mehr gewogen hast, bewusst angeschaut oder ihn eher ausgeblendet?
Warum hast du mit MB angefangen, wenn du rundrum glücklich und fidel und selbstbewusst warst – was war der Auslöser – der Anstoß?
Und warum setzt du dich gerade so unter Druck?
Ich trau mir fast zu Wetten, dass du einen tieferen Grund hast, der nicht unbedingt mit deiner Kleidergröße zu tun hat, warum du traurig und weniger selbstbewusst bist.
Und wenn dein Schutzwall grad abschmilzt – die „Burgmauer“ bröselt – man das Gefühl hat, dass man schutzlos oder wehrlos wird – macht das Angst, ernst und vielleicht auch sorgenfaltig.
Wenn Menschen sich in dein Essen einmischen, dir Vorschriften machen usw. – dann ist das eine Form des Übergriffes und der Bevormundung.
Und wenn jemand Grenzüberschreitungen erlebt – dann ist das nicht, was lustig und selbstbewusst macht.

Vielleicht magst du dir ein paar schlagkräftige Sätze überlegen – mit denen du solchen Kommentaren stoppst, ihnen klare und deutliche Grenzen setzt?

Z. B.: ich möchte nicht auf mein Essen angesprochen werden
Oder: Mein Essen bestimmte ich


Wenn dann ein ja – aber kommt – einfach den Satz wie eine Schallplatte mit Kratzer immer wieder wiederholen: Ich möchte nicht auf mein Essen angesprochen werden…. Ich meins dir ja nur gut… Stopp – ich möchte nicht auf mein Essen angesprochen werden.
Diese Schallplattenmethode wirkt wirklich sehr gut.

Fühl dich gedanklich ganz feste gedrückt!

Herzliche Grüße
Claudia
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Re: Nicht nur der Körper verändert sich! Auch die Psyche...

Beitragvon Erdbaer » Do 24. Jun 2010, 21:18

Liebe Claudia!

Tausend Dank für deine liebe Antwort auf meinen Beitrag! Du verstehst mich wirklich sehr gut und ich hab momentan nicht oft das Gefühl, dass ich verstanden werde...

Grad deine letzten Absätze haben mir Tränen in die Augen gezaubert. Ja, ich glaube fest, dass ich meinen Körper eher ausgeblendet habe, als ich noch nicht abgenommen habe. Grad jetzt, wenn ich mir alte Fotos ansehe, denke ich mir "Oh Gott - SOOO habe ich ausgesehen??!!". So ein Erlebnis hatte ich erst vor ein paar Tagen, als mir ein Foto mit Doppelkinn in die Hände gefallen ist. Und das ist mir vorher eben nie bewusst gewesen. Das Schöne an diesem besagten Foto ist, dass ich darauf von Herzen lache. Dieses Foto habe ich nun an unsere Süßigkeiten-Schublade geklebt, denn so möchte ich ja nie wieder aussehen und Schokolade wird mir manchmal zum Verhängnis. Hat schon ganz gute abschreckende Wirkung ;)

Deine Worte:
"Und wenn dein Schutzwall grad abschmilzt – die „Burgmauer“ bröselt – man das Gefühl hat, dass man schutzlos oder wehrlos wird – macht das Angst, ernst und vielleicht auch sorgenfaltig.
Wenn Menschen sich in dein Essen einmischen, dir Vorschriften machen usw. – dann ist das eine Form des Übergriffes und der Bevormundung.
Und wenn jemand Grenzüberschreitungen erlebt – dann ist das nicht, was lustig und selbstbewusst macht."
treffen sowas von ins Schwarze!!!!!! Grad die Sorgenfalten... ich frag mich, was ich nur tun kann, um endlich einmal wieder entspannt auszusehen. Ich hab das Gefühl, dass ich ständig angespannt bin wegen der Dinge, die in meinem Kopf vor sich gehen. Dieser Smiley beschreibt meinen Gesichtsausdruck ganz gut: :oops:

Ich hoffe sehr, dass es nun, da es mir wenigstens bewusst ist, besser wird und fühle das auch schon ein wenig. Noch vor wenigen Wochen war ich zwischendurch in regelrecht depressiven Phasen, einfach immer am Boden zerstört und wusste mir nicht zu helfen.
Vielleicht hast du Recht, und das eigentliche Problem meiner Traurigkeit und Nachdenklichkeit ist ein anderes... Ich weiß es nicht - vielleicht steige ich noch dahinter, was das ist. Und nun, da mein Schutzpanzer abbröckelt, kommt immer mehr von der wirklichen Erdbärin zum Vorschein. Ich denke, das gehört wohl auch zum Leben (einer Frau besonders) dazu: sich immer wieder neu zu (er-)finden.

Der Satz: "Ich habe keine Lust, über mein Essen zu reden", gefällt mir gut. Den könnte ich dann ggf. auch gern mehrfach wiederholen, bis mein Gegenüber es dann endlich geschnallt hat. Solche Situationen entstehen ja auch gern in Gesellschaft, vor mehreren Leuten.
Wenn ich mit jdm. unter 4 Augen spreche und derjenige einfach ehrlich interessiert ist, dann ist das etwas anderes. Dann erzähle ich gern davon, vorausgesetzt, ich habe das Gefühl, dass es kein geheucheltes Interesse ist.

Du schreibst ja, dass du auch heute noch ungern in größerer Runde isst und dadurch ist mir erst einmal bewusst geworden, dass auch ich in Gesellschaft unbewusst immer darauf achte, was ich mir auf den Teller packe, weil ich eben mit den Blicken und Sprüchen der anderen rechne. Da ist auch bei mir viel "Kopfkino" im Spiel.
Frauen denken wohl wirklich einfach zuviel nach.

Ich würde mich sehr freuen, wieder von dir zu hören und wünsche dir schon jetzt ein tolles Wochenende!

Liebe Grüße,

Erdbär
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Re: Nicht nur der Körper verändert sich! Auch die Psyche...

Beitragvon Ida-Malin » Mo 28. Jun 2010, 18:56

Liebe Erdbaerin,

auch mich hat Deine Beschreibung berührt - ich dachte schon seit einiger Zeit darüber nach, einen eigenen Faden mit ähnlichem Inhalt zu eröffnen! Ich bin praktisch seit meiner Kindheit übergewichtig gewesen, Höchststand war irgendwas um die 80 Kilo, seit dem Ende der Pubertät warens dann mal 65, dann ging es wieder hoch auf 74, und jetzt hab ich es -von den Zahlen her- scheinbar endlich geschafft, auch wenn ich noch weiter mache... Ich kenne das Gefühl so gut, auch wenn ich etwas weniger gewogen habe - ich hoffe, Du glaubst mir, dass ich ähnliches erlebt habe.

In der Pubertät habe ich sehr gelitten - Mädchenschule, ständig hämische Kommentare... zuhause: einerseits zu viel Essen und auch nicht unbedingt gesund, das kam immer drauf an. Andererseits konnte ich mir dann, als ich schon dick war, bei jedem Essen anhören: "jetzt überleg mal, fühl mal genau in Dich rein, ob Du das wirklich noch brauchst..." ect. Ich musste ein paar Minuten Pause einlegen, um in mich "rein zu spüren" - egal, ob Besuch da war und ich fast vor Peinlichkeit im Boden versunken wäre.

Ich glaube im Ernst, dass der schwierigste Teil beim Abnehmen der Punkt ist, wie man die Abnahme psychisch verkraftet - es ist mit Sicherheit auch der entscheidende Punkt, ob man es schafft, das Gewicht zu halten. Ich selbst habe bei meinen vielen Gewichtsschwankungen immer wieder erlebt, dass ich mich beim Abnehmen schutz- und wehrlos fühle. Und sich plötzlich so reinzuhängen, als Frau ernstgenommen zu werden... vorher war ich irgendwie versteckt, verschanzt hinter meiner Speckmauer und da war es dann eh egal, ob man noch Schokolade gegessen hat...

Und nun? Nun bin ich auf meinem Zielgewicht, möchte aber noch ein bisschen weiter machen, da mein Zielgewicht ja für mich einfach eine Zahl war, ich wusste nicht, wie ich damit aussehen würde. Aber schon jetzt kann ich sagen: anstatt zufrieden zu sein, sehe ich nur, was immer noch nicht "stimmt": dass jetzt meine Oberarme wabbeln, meine Brüste hängen... und meine Abnahme kann ich irgendwie nicht voll genießen. Einerseits ja, wenn ich mich von innen wahrnehme - mein Körpergefühl ist gut, ich fühle mich leicht und erleichtert. Wenn ich mich von außen sehe, sehe ich kaum einen Unterschied zu vorher - wenn ich nackt an mir runter sehe, möchte ich manche Stellen gar nicht ansehen...

Ich bin abgeschweift - jedenfalls ist meine Angst, dass ich das dünnere Ich nicht richtig annehmen kann, dass ich das dickere Ich bleibe, mit seiner Unsicherheit, seiner Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, dem Gefühl, immer "die Dicke" zu bleiben, obwohl ich es rein objektiv natürlich nicht mehr bin (bin aber hauptsächlich von schlanken Menschen umgeben), das Gefühl, eigentlich nicht so schön zu sein, wie alle anderen Frauen.

Ich kenne das Gefühl also genauso, auch wenn ich weniger gewogen habe, als Du. Ich glaube, wir müssen jetzt sehr gut zu uns sein.

Mir kommt gerade noch ein Gedanke: mir geht es noch immer so, obwohl ich jetzt (wenn auch noch nicht lange) ein Gewicht habe, von dem ich nie zu träumen gewagt hätte. Möglicherweise geht es vielen Frauen so, auch ohne objektiven Grund? Ich bin auch jemand, der im Grunde relativ selbstbewusst ist - ich habe aber auch eine sehr zarte, verletzliche Seite. Vielleicht ist es Zeit, dieser mehr Raum zu geben?

Ich weiß nicht, ob Dir meine Gedanken etwas nützen - das Thema brennt mir selbst auf der Seele.

Ganz liebe Grüße und alles Liebe, Ida
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März 2007 ca. 74 Kilo - August 2007 ca. 63 Kilo

Neustart mit eigenem Plan 2010:
1. Mai: 65,5 Kilo

29. Mai: 59,7 Kilo

11.Juni: 59,2 Kilo
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Re: Nicht nur der Körper verändert sich! Auch die Psyche...

Beitragvon Bloome » Mo 28. Jun 2010, 19:46

Liebe Erdbärin, liebe Ida,

hab ganz gebannt Eure Zeilen gelesen und fühl mich ebenfalls sehr berührt davon.
Ich kann das so gut nachvollziehen - dieses Stigma, schon als Kind, zu den "Dicken" zu gehören,
als ob das ein Freibrief wäre für andere, all ihre Respektlosigkeit, ihre eigenen Schwächen und
Unsicherheiten auf einen abzuwälzen. Und was das mit einem macht... :oops:
Ich glaube, dass man beschämt wird von anderen.
Ständig das Gefühl bekommt, nicht gut genug und nichts wert zu sein.
Ich möchte Euch dazu was sehr Schönes und Tröstendes erzählen..
Ich gehöre seit einem Jahr zu einer weltweiten Vereinigung der "awakening women"...
http://www.awakeningwomen.com/
Eine Verbindung von Frauen, die auf der Suche sind nach der "neuen Weiblichkeit" - jenseits von
Bewertungen und Modelmaßen, Sexobjekten und besseren Männern...
Die Norwegerin Chameli Ardagh hat dieses Institut ins Leben gerufen, um die Frauen wieder dahin zu führen, woher sie kommen..
Ich habe das am eigenen Leib erlebt - wundervolle Treffen, Seminare, Frauenretreats und hätte nie für möglich gehalten, wie glücklich und satt DAS machen kann - nicht nur mich, sondern alle anderen auch, soweit ich das sehen konnte.
Wenn ich dort unter all den Frauen bin, in Liebe und Respekt verbunden, und meine Weiblichkeit feiern darf..
(Wir machen Übungen, viel Körperarbeit, wir tanzen uns die Seele aus dem Leib, wir fühlen unsere Gefühle, wir träumen unsere Träume, wir batseln Collagen und entwerfen Visionen und all das darf sein!) dann merke ich, wie ich meinen Körper plötzlich lieben kann und wie schön es sich anfühlt,
in einem geliebten Körper zu sein. Niemand schaut auf mein Gewicht - niemand urteilt über mich - ich erkenne, dass es den anderen ähnlich geht wie mir..
dass jede etwas hat, das sie nicht mag, dass Ängste ok sind.. dass Tränen wichtig sind.. und dann merke ich, wie auch ich langsam aus meinem Schneckenhaus herauskrieche und denke:
"ist das wahr? Geht das auch? Und ganz ungefährlich?"... Und mir ist klargeworden, dass wir - grade die, die sich einen Schutzwall gebaut haben um sich herum - das getan haben, weil wir tief in unserer Weiblichkeit verletzt wurden - durch eben dieses Verhalten, das Ihr so schön beschrieben habt in Euren Artikeln. Verletzt auch durch Männer, die respektlos damit umgingen, durch dumme Kommentare, durch falsche und oberflächliche Werte.
Verletzt, indem Gefühle nicht sein durften, wir uns nicht zeigen durften, unsere Intuition nicht erwünscht war sondern als bekloppt belächelt..
unsere Sensibilität als "zickig" verschrieen war... ich denke jede könnte stundenlang aufzählen, was ihr da alles passiert ist - und all das ist ein Angriff auf unsere Weiblichkeit und geht fast allen Frauen ganz ähnlich. Durch meinen Kontakt mit den awakening women bin auch ich aufgewacht.
Und merke, wie schön es ist, sich wieder mit sich selbst auszusöhnen.
Ja und das wollte ich Euch schreiben..
vielleicht kann Euch das Mut machen und anstecken..
;)
Liebe Grüße
Bloome
:mrgreen:
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Re: Nicht nur der Körper verändert sich! Auch die Psyche...

Beitragvon armitage5112 » Mo 28. Jun 2010, 21:12

Hallo zusammen,

all eure Worte haben mich sehr nachdenklich gemacht und tief berührt. Als Kind habe ich ebenfalls zum Übergewicht geneigt, meine Eltern haben aber dafür gesorgt, dass es sich in Grenzen hielt. Dabei waren sie allerdings liebevoll, das hat mir nicht geschadet. Zu leiden hatte ich eher in der Pubertät, denn wer mehr Kilos auf den Rippen hat, womöglich auch noch ein wenig unsportlich ist und nebenbei gute Noten mit nach Hause bringt, der ist schnell außen vor. Dann hatte ich noch so eine Freundin von der Sorte, die sich jemanden an die Seite nimmt, die dicker ist als sie. So konnte sie sich selbst besser, hübscher und beliebter und natürlich so unglaublich sozial fühlen, denn ihr hatte ich es zu verdanken, dass ich in bestimmten Cliquen "mitspielen" durfte. Ich musste sehen wie sie das gleiche mit meiner besten Freundin macht, um zu erkennen, was sie da treibt... Es war mir eine Lehre, den Menschen vorsichtig zu begegnen.
Trotzdem, das Leben ist hart, der Schutzpanzer wurde dicker. Im Studium hatte ich mal ein Erlebnis: Ich fuhr mit dem Fahrrad durch die Stadt und so ein Idiot hängt sich aus dem fahrenden Taxi und brüllt: "Pass auf, dass dein Rad nicht zusammenbricht." Wow, das hatte gesessen. :( Warum werden bloß immer alle nach ihrem Äußeren beurteilt? Und wer gibt diesem Blödmann das Recht, mich so anzugreifen?! Meine Umfeld waren die Pfunde immer egal. Meine Freundinnen, meine Eltern, mein Freund... niemand hat verlangt, dass ich abnehme und wenn, dann bitte nur für mich selbst. Aber es kam der Punkt, da habe ich in den Spiegel geschaut und hätte k*** können. Widerlich, diese Oberarme, dieses Bauchfett, ständig Rückenschmerzen, Schnaufen wie ein Walross.... Ich konnte mich selbst nicht mehr ertragen, es musste etwas passieren.
Jetzt sind 13 Kilo runter, es geht mir körperlich besser (weniger Rückenschmerzen, mehr Kondition, usw.). Aber meine Gefühle fahren manchmal auch Achterbahn. Oft fühle ich mich angestarrt, wenn ich wieder mal einkaufen gehe, wenn ich über den Parkplatz gehe. Gucken die Leute, weil ich immer noch so dick bin? Gucken sie, weil ich nicht mehr so dick bin? Soll ich stolz sein, dass ich Gewicht verloren habe oder muss ich mich schämen, weil ich immer noch zu viel drauf habe? Will ich denn überhaupt in dieses "Schema" passen? Manchmal bin ich einfach zu tiefst verunsichert.
Vielleicht ist das auch kein Wunder. Wir werden dieses Gewicht los, manche von uns sogar recht schnell. Aber der seelische Ballast ist noch da, in die Ecke gedrängt, abgelegt, unbearbeitet. Da muss die Psyche erst einmal hinterherkommen. Wir sollten lernen, uns anzunehmen, zufrieden zu sein. Das ist wohl der schwerste Teil. Momentan habe ich noch keine Ahnung wie das geht.
Irgendwie kommen mir meine Worte gerade belanglos vor. Ich wünsche euch allen viel Kraft und viel Stärke, um diese Phase(n) durchzustehen!
Liebe Grüße,
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1. Etappenziel (68 Kilo) erreicht am 18.09.10
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Re: Nicht nur der Körper verändert sich! Auch die Psyche...

Beitragvon Ibak » Di 29. Jun 2010, 12:07

Liebe armitage,

alles sind deine Worte - aber auf jeden Fall nicht belanglos!

Und ich kann deine Worte richtig gehend spüren.

Die Szene mit dem Fahrrad - die ist übelst und absolut unterste Schublade!
Das sich darauffolgende Schämen - dieses Schamgefühl - würdem dem Typ in dem Auto gut stehen, leider hast du (oder wir) es uns angezogen.

Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwierig es ist, trotz viel zu vieler Kilos Sport zu machen - wie lang der Weg zwischen Umkleidekabine und Schwimmbecken einen vorkommen kann - wieviele lieber ich im Wald Fahrrad gefahren bin - weil da weniger meinen dicken Hintern sehen können, wie es war, einen Raum zu durchqueren und jemand dabei gelacht hat - immer in dem Gefühl - die lachen und spotten grad über mich.

Das Gehirn - die Gefühle - die verändern sich viel langsamer.
Selbst heute geht es mir noch so, zumindest im ersten Moment, dass ich wo gehe, und jemand lacht - ich den Kopf einzieh und rot werde.
Dann muss ich meinem Bauchgefühl ganz eindringlich erklären, dass sie nicht über mich gelacht haben - Kopf hoch - Schultern gerade!

Jahrelang eintrainiertes Verhalten, in diesem Fall Scham - wird man nicht so schnell los.
Und ein völlig normales und unbelastetes Selbstwert- und Körpergefühl werden wir wohl nie haben - aber selbst die Vorstufe dazu ist schon richtig schön zu erleben - im Vergleich zu vorher.

Und vielleicht drehen sich die Menschen ja nach dir um - weil du eine positive Ausstrahlung hast???
Oder einen kraftvollen Gang?
Ein auffallendes Kleidungsstück? Oder oder oder?

Ich wünsch dir (und uns allen), dass in uns ein kleiner, kräftiger Sprößling des Selbstvertrauens und des Selbstgefallen wächst, der tiefe und starke Wurzeln bildet und sich zu einem soliden, sturmtrozendem Baum heran wächst!

Herzliche Grüße
Claudia
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Phase 2 ohne Öl: 31.05.-13.06.2010 - Abnahme: 3,7 kg
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Re: Nicht nur der Körper verändert sich! Auch die Psyche...

Beitragvon xbabs » Di 29. Jun 2010, 17:30

Ich kann euch alle so gut verstehen. Obwohl ich früher nicht wirklich fett war, war ich doch pummelig. Ich wurde in der Schule ständig gehänselt und noch heute denke ich immer wenn mich jemand anschaut, der/die denkt nur Negatives über mich. Wenn man schon früh sein Selbstbewusstsein verliert ist es schwer, das abzulegen. Ich glaube, so dünn kann ich garnicht werden, daß ich mich vollkommen sicher und selbstbewusst durch die Welt bewegen kann.
Natürlich ist es besser geworden, ich bin kein Teenager mehr, bin verheiratet usw. Trotzdem ist meine Figur mein wunder Punkt bei dem ich unglaublich empfindlich bin. Ich verstehe auch nicht, daß es sozusagen anscheinend in Ordnung geht, übergewichtige Menschen zu verspotten, abzuurteilen und lächerlich zu machen. Ich kann mich noch gut an jede einzelne Szene in meinem Leben erinnern, in der ich gedemütigt wurde und jede einzelne tut heute noch weh.
Denken die Menschen, so etwas prallt an uns ab? Denken die Menschen überhaupt? Ich würde niemals zu jemandem hingehen und ihn auf einen körperlichen Makel hinweisen. Bei Dicken ist das erlaubt, sie müssen ja einfach aufhören zu fressen.
Meine Nichte z.B. ist auch pummelig und wird von ihrem Vater ständig unter Druck gesetzt, daß sie abnehmen soll. Immer, wenn das Mädchen isst, wird sie zurechtgewiesen. Ich sehe mich als junges Mädchen in ihr und habe auch schon mit meiner Schwester darüber geredet. Es ist ein schwieriges Thema, aber man kann schon früh soviel kaputtmachen.
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